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Kreisgruppe Neuss in der Heimat

An der Gedenkstätte am Frischen Haff in Frauenburg wurde ein Kranz niedergelegt und kurz innegehalten

Nach zwei Jahren startete die Kreisgruppe Neuss der Landsmannschaft Ostpreußen wieder eine Fahrt in die Heimat unter der Leitung ihres Vorsitzenden Peter Pott. Obwohl sich rund 58 Personen vorangemeldet haben, konnten mit Mühe und Not nur 25 Personen aktiviert werden. Es waren neun Ostpreußen auf der Reise und 16 Personen aus Neuss und Umgebung.

Die Reise startete um 5.30 Uhr in der Frühe ab Neuss. Die erste Übernachtung fand in Stettin statt. Am nächsten Tag ging es weiter nach Thorn. Hier wurde die historische, kaum zerstörte Altstadt besichtigt und alle Reiseteilnehmer hatten genug Freizeit, um selber etwas zu unternehmen. Am folgenden Tag führte die Reise über Kulm, das besichtigt wurde, weiter nach Danzig. In Danzig wurde dreimal übernachtet. Die Stadt wurde besichtigt und der „Deutschen Minderheit“, dem „Danziger Club“, wurde ein Besuch abgestattet. Es kam zu einem sehr regen Meinungsaustausch zwischen den Heimatverbliebenen und der Reisegruppe, und Lieder wurden auch gemeinsam gesungen. Alle Teilnehmer waren sehr positiv beeindruckt.

Am zweiten Tag in Danzig wurde eine Tour nach Elbing und Frauenburg unternommen, einschließlich Besichtigung des Frauenburger Doms und Orgelkonzerts. Am Nachmittag versammelte sich die Reisegruppe am Gedenkstein für die 450000 Opfer der ostpreußischen Flüchtlinge, die über das Frische Haff und die Nehrung vom unerbittlichen Krieg gejagt wurden. Sie starben in Eis und Schnee. Hier wurde von Peter Pott ein Blumengebinde niedergelegt, auf dessen Schleife geschrieben stand: „In stillem Gedenken, Landsmannschaft Ostpreußen, Kreisgruppe Neuss“. Pott ergriff das Wort zu einer kleinen Gedenkansprache:

„Zirka 2,5 Millionen Deutsche sind vor der Vertreibung durch die Rote Armee geflüchtet, aber unter diesen sind auch Vertriebene, denen die Flucht vorher nicht mehr gelungen ist. Die Brücken waren zerstört, so blieb auch nur noch das Frische Haff als Fluchtweg, da fast überall die Rote Armee bereits war.

Als Beispiel möchte ich sagen: Meine Mutter bekam die Aufforderung am 25. Januar 1945, unser Haus in Grünau, Kreis Lötzen sofort zu verlassen, und es sollte ein Zug ab Lötzen fahren. Vater war beim Militär und Mutter mit vier Kindern. Der Älteste war neun und der jüngste, meine Person, war noch keine drei Jahre alt. So kamen wir auch in Frauenburg an, und der gesamte Treck machte halt. Meine Mutter drängte auf ein Weiterziehen, und so kamen wir am Sonntag über das zugefrorene Frische Haff. Am Dienstag wurde dies durch die Rote Armee bombardiert, und es gab die vielen tausend Toten.

Jetzt, 62 1/2 Jahre nach Kriegsende möchten wir der Toten gedenken und hier die mahnenden Worte aussprechen, daß so etwas nie wieder passiert. Möge Frieden auf Erden bleiben und die Völker sich besser verstehen. Gesagt werden muß, die Basis versteht sich, doch die Großen begreifen das nicht.

Als äußeres Zeichen des Gedenkens an die vielen Opfer möchte ich im Namen der Landsmannschaft Ostpreußen, Kreisgruppe Neuss dieses Blumengebinde am Gedenkstein niederlegen.

Ich danke Ihnen.“

Von Danzig aus wurde die Reise fortgesetzt mit einer Fahrt auf dem Oberland-Kanal. Abends kam die Gruppe in Lötzen an. Das am See gelegene Hotel gab Ruhe und Erholung.

Mit einer Schiffsfahrt auf den masurischen Seen setze sich das Programm am folgenden Tag fort. Nachmittags fand ein Zusammentreffen mit dem deutschen kulturellen Verein in Lötzen statt. Hier gab es bei Kaffee und Kuchen auch einen Meinungsaustausch. Vom kulturellen Verein wurden Lieder der Heimat vorgetragen. Für die Kinder hatte Pott sehr viele Spielsachen und Plüschtiere mitgebracht, die Weihnachten verteilt werden sollen. Weiter wurde die Johannisburger Heide besucht und eine Stakerfahrt auf der Kruttinna gehörte ebenfalls zum Programm. Abends traf man sich zum gemütlichen Beisammensein in einer Försterei. Eine Musikgruppe sorgte für gute Stimmung, der Abend klang fröhlich aus.

Am vorletzten Tag wurden Allenstein und das Museumsdorf in Hohenstein besucht. Mit einem Orgelkonzert in Heilige Linde klang der Tag aus.

Nach einem schönen Programm, das bei hervorragendem Wetter absolviert wurde und mit schönen Erinnerungen im Gepäck wurde nolens volens die Heimreise angetreten. (P. P.)

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, 50/07 v. 15.12.2007


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